MAQU - Timeless, Minimalistic, Sustainable / Nachhaltige Kleidung aus Berlin [INTERVIEW]

MAQU Interview

Ich freue mich immer, wenn ich neue nachhaltige Labels entdecke, die moderne und hochklassige Bio-Kleidung anbieten und unter Fairtrade-Bedingungen produzieren. Deshalb habe ich mich umso mehr gefreut, als ich eine E-Mail von Marisa vom Modelabel MAQU im Postfach hatte und direkt ein Interview vereinbaren musste. Ich wollte mehr über die minimalistischen Stücke erfahren, denn mit ihrer kreativen Kollektion trifft die Modedesignerin genau meinen Geschmack.

Das junge Unternehmen aus Berlin-Friedrichshain produziert fast seine gesamte Kollektion lokal und Wachstum steht neben Design und dem kreativen Prozess nur an zweiter Stelle. Nachhaltigkeit auf ganzer Linie!

Welche Materialien MAQU verwendet, wie Green Fashion und Trends zusammenpassen und wann Mode eigentlich nachhaltig ist, das erfährst du jetzt im Interview.

 Bild: MAQU

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Wer steckt hinter MAQU und wie entstand die Idee nachhaltige Kleidung herzustellen?

Ich designe alle Modelle und schneidere Einzelstücke sowie Kleinserien im Berliner Studio. Die Kollektionen werden von Schneidern in Berlin und Lima zu fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Mein Mann organisiert die Logistik.

Wann ist Mode eigentlich nachhaltig?

Eine gute Frage. Wenn sie so lange wie möglich hält und die Umwelt so wenig wie möglich oder gar nicht belastet, z.B. keine Pestizide verwendet, nicht die Grundlagen der Nahrungsmittelproduktion zerstört, aus nachwachsenden, recycelten oder recycelbaren Rohstoffen besteht, um nur ein paar wichtige Punkte zu nennen.

Was macht dein Label so besonders und wie würdest du den Stil von MAQU beschreiben? Welche Zielgruppe sprichst du an?

Unsere Zielgruppe sind Frauen jeden Alters die sich gern modisch zeitlos sowie besonders kleiden möchten und dabei einen fairen nachhaltigen Umgang mit Mensch und Natur als wichtig erachten. Ein Plus von uns sind die Preise, wir sind bezahlbar und bieten eine gute Qualität an.

Wie bist du Modedesignerin geworden?

Als ich Kind war, habe ich beobachtet, wie meine Großmutter für große Firmen in Peru genäht hat, die Prototypen für Mädchen waren immer für mich. Wahrscheinlich hatte ich diese Idee im Hinterkopf. Ich habe dann ein paar Fotographie- und Drehbuchkurse belegt. Kunst und Geschichte haben mich auch interessiert. Das Studium des Modedesigns hat diese Themen dann gut verbunden. Als Designerin habe ich dann für Labels in Peru gearbeitet. Es kamen Kollaborationen mit Künstlern hinzu. Außerdem gestaltete ich ein paar Ausstellungen, eröffnete mein Studio in Lima und lernte den dänischen Designer Henrik Vibskov kennen. Dieser lud mich ein, ein Praktikum in Kopenhagen zu machen. Sechs Monate später war ich in Dänemark und begann als Modedesignerin in Europa zu arbeiten.

 BILD: MAQU

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Wo findest du die Inspiration für neue Designs?

Ich mag es sehr, alles auf der Straße zu beobachten - all die kleinen Details – und den Vögeln zu lauschen. Bevor ich ins Bett gehe denke ich an Gedichte und Formen. Meine Träume sind großartig und ein wenig kompliziert zu erklären. Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich ein zweites Leben hätte :) Ich mag klassische Musik, die Natur und die vielen unterschiedlichen Grüntöne.

Die SchneiderInnen kenne ich seit 10 Jahren persönlich. Mir ist es wichtig ihre Meinungen zu hören, denn wir sind ein Team. In Berlin produzieren wir 70% unserer Teile.

Welche Materialien verwendest du für deine Produkte & was sind deren besondere Vorteile im Gegensatz zu herkömmlichen Materialien?

Wir bewerten jeden Stoff individuell. So ergibt es oft Sinn einen Mix zu verwenden. In einigen Punkten ist es sinnvoll organische durch synthetische Materialien zu ersetzen, in anderen nicht. Wir verwenden synthetische Fasern zum Beispiel um die Stabilität, Elastizität und damit neben dem Komfort auch die Qualität und Haltbarkeit der Kleidung zu verbessern. Das sind wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit. Jede Trägerin soll unsere Modelle möglichst lange tragen oder weitergeben. Unser Alpaka-Kleid würde ohne Elastan nicht lange seine Form behalten. Natürlich verwenden wir so wenig synthetische Fasern wie möglich.

Wir achten darauf jegliche Stoffe die wir erwerben auch zu verwenden und keinen Abfall zu hinterlassen. So gibt es in unserem Store auch immer wieder Einzelstücke oder Applikationen an bestimmten Modellen. Der Anteil der ökologisch angebauten und zertifizierten Baumwolle liegt derzeit schon bei 70% und steigt stetig. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Anbietern in diesem Bereich.

Wir arbeiten derzeit auch mit Lyocell/Tencel, dieser Stoff hat Vorteile gegenüber Naturfasern und wird zudem aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt, welcher weit weniger Ressourcen verbraucht als Baumwolle. Recycelte Synthetik-Fasern in organischen Materialien würden wir auch gern verwenden und sind auf der Suche danach. Weitere exotische Fasern mit überraschender Haptik zeigen wir euch gern im Store.

Woher beziehst du die Materialien für deine Kollektionen und wo produzierst du deine Kleidung?

Jede Kollektion ist für uns eine Herausforderung, Wir versuchen immer mehr Bio Stoffe zu finden, die zu unserem Style und den Designs passen und mit denen wir gut arbeiten können: Wir sind auf dem Weg 100% Bio-Stoffe zu benutzen.

Die Stoffe kommen aus verschiedenen europäischen Ländern.

Die Letzte Kollektion besteht aus 50% Biobaumwolle aus Portugal und Peru, 30% Tencel aus Italien, 10% Bio Pima-Baumwolle aus Peru und 10% Viskose aus Italien. Wir arbeiten auch mit Resten aus einer Firma in Peru.

Die SchneiderInnen kenne ich seit 10 Jahren persönlich. Mir ist es wichtig ihre Meinungen zu hören, denn wir sind ein Team. In Berlin produzieren wir 70% unserer Teile.

 BILD: MAQU

BILD: MAQU

Wie passen Green Fashion und aktuelle Trends zusammen?

Mit dem Label bin ich keinem Trend gefolgt, ich möchte etwas Persönliches zeigen und folge immer meinen Intuitionen. Wir denken Green. Fair Fashion entwickelt sich parallel immer weiter. Das ist super. Wir sehen schon große Labels, die sich mehr für Nachhaltigkeit interessieren, aber nicht als Trend, sondern als eine Möglichkeit etwas zu ändern.

Green Fashion sollte kein Trend sein, sondern selbstverständlich. Daran müssen wir alle arbeiten.

Welche Entwicklungen können wir in Zukunft im Bereich der nachhaltigen Mode erwarten?

Zum Glück interessieren sich immer mehr Menschen für Aspekte der Nachhaltigkeit. Es gibt aber auch noch ein viel größeres Potential an KonsumentInnen, die zwar noch denken, dass Bio & Fair quatsch ist, gleichzeitig aber die Produktionsmethoden unserer Großeltern schätzen, weil die Produktionsstrukturen nachvollziehbarer waren, handwerklich gearbeitet wurde, ein Kleidungsstück lange getragen wurde und keine solch unglaublichen Verzerrungen bei der Entlohnung existierten. Es ist schön zu sehen, dass es für immer mehr KonsumentInnen wieder „normal“ wird sich auf weniger wirklich gute Dinge mit Qualität zu konzentrieren, als immer mehr zu kaufen und keine Ruhe zu finden.

Hast du Tipps wie auch ich meinen Kleiderschrank nachhaltiger gestalten kann?

Man braucht nicht viel, Basics sind wichtig, die man immer kombinieren kann.

Wenn du ein schönes Teil haben willst, kannst du tolle Stücke bei Designern finden die eine gute Qualität haben. Eine andere Möglichkeit ist Second-Hand zu kaufen oder Kleidungsstücke mit Freunden zu tauschen.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit in deinem privaten Leben?

Sehr. Ich achte bei fast alle Handlungen darauf. Alles andere wäre unvernünftig, oder?! Na gut, Unvernunft lässt sich nicht ganz vermeiden…

Wo kann man die MAQU Fair Fashion Stücke kaufen?

Seit November haben wir unseren Store & Studio in der Libauer Str. 4 in Berlin-Friedrichshain, wo man alle Kollektionen und Einzelstücke sehen kann. In unserem Online-Shop findet sich ebenfalls eine Auswahl unserer Kleidungsstücke.