Nachhaltigkeit beginnt bei dir selbst! Was du dir schuldig bist.

Nachhaltigkeit beginnt bei dir selbst

Hach Jenni, wie du mir mit diesem Beitrag aus der Seele sprichst. Nachhaltig leben, immer mehr, immer besser, immer weiter - das kann auf Dauer nicht gesund sein. Ein Plädoyer für persönliche Nachhaltigkeit - denn nichts und niemand ist wichtiger als du selbst! Sei gut zu dir!

Jenni von Mehr als Grünzeug
Hallo, liebe Leser*innen von kiwikado!

Heute schreibt nicht – wie gewöhnlich – Susann für euch, sondern ich.

Und ich bin Jenni. Ich blogge auf Mehr als Grünzeug über nachhaltiges Leben im Allgemeinen und im Speziellen unter anderem über Zero Waste, vegane Rezepte und philosophische Gedanken zu mir selbst und der Welt, die mich umgibt. Dabei geht es bei mir offen, dikussionsfreudig und undogmatisch, aber immer ehrlich und transparent zu.

Und heute müssen wir dringend über Selbstliebe reden.

Wir sprechen viel von Nachhaltigkeit. Was lange Zeit ein Nischendasein gefristet hat und höchstens als die wirren Weltverbesserungsphantasien vom Wege abgekommener Ökos abgetan wurde, drängt sich immer mehr in die Mitte der Gesellschaft.

Der Diskurs um Plastikverpackungen wird laut und lauter, Gesetze werden gefordert, entworfen und verabschiedet. Coffee to go wird – langsam, aber sicher – ein Markenzeichen des Nicht-Umweltbewussten. Firmen haben erkannt, dass sich mit Schlagworten wie grün, ökologisch, ressourcensparend und CO2-neutral wunderbar werben (und ergo: Geld verdienen) lässt.

Nachhaltigkeit als alternatives System zum unreflektierten Massenkonsum rückt immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit. Und das ist gut so. Das brauchen wir dringend, hat man doch angesichts alarmierender Dokus á la Before the Flood nicht selten das Gefühl, der Weltrettungs-Zug sei irgendwie schon abgefahren und alles, was wir tun könnten, sei, seiner Rauchfahne hinterherzustarren.

Wenn das Draußen das Drinnen überschattet

Und wir – als zukunftssorgende, als vorsorgende und reflektierende – Bürger*innen? Wir arbeiten an uns selbst, an unseren Mitmenschen, an unserer Umgebung, an unserer Vision einer nachhaltigeren Welt, in die wir vielleicht irgendwann guten Gewissens unsere Kinder entlassen möchten.

Wir kaufen plastikfrei, Second Hand, regional, lokal, bio und ernähren uns vegan-vegetarisch. Wir sind politisch aktiv, wir verbreiten die Nachhaltigkeits-Message weiter und weiter, auf dass sie immer mehr Menschen da draußen erreiche und inspiriere. Wir sind unsere eigene, friedliche Version des Öko-Kriegers, der nun schon fast Normalität geworden ist – hat das Denken um BPA und Klimaerwärmung nun bereits Platz in den Köpfen vieler Menschen gefunden, zumindest im Ansatz.

Und genau diesen Ansatz – das ist unser Ziel, unsere selbst auferlegte Mission – müssen wir vertiefen, festigen. Müssen dafür sorgen, dass es nicht nur beim Denken bleibt, sondern dass das Handeln, das ja so wichtig ist, so elementar, unmittelbar darauf folgt.

Und hier merken wir manchmal gar nicht, dass wir einen gravierenden Fehler machen: Wir vergessen uns selbst. Uns selbst als Einzelmenschen, als Individuum. Wir schauen so angestrengt nach draußen, überlegen so fieberhaft, was man (und was vor allem ich!) noch besser, noch nachhaltiger, noch ökologischer machen könnte als ohnehin schon – dass wir vergessen, wie es eigentlich in uns drinnen ausschaut.

Wir denken nicht mehr in egoistisch-subjektivistischen, sondern nur noch in universalen Kategorien: Was wäre, wenn alle Menschen das so machen würden wie ich? Wenn alle Menschen sich dazu entscheiden würden, auf jene Angewohnheit zu verzichten, diese Plastiktüte zu vermeiden, dieses Produkt nur noch da und dort zu kaufen? Kant lässt freundlich grüßen.

Leise und fast, ohne dass wir es bemerkt hätten, hat sich unsere Perspektive von unserem Privatleben und seiner Gestaltung, die ja eigentlich eine ureigenst persönliche Angelegenheit ist, zu einem Thema von wenn nicht globalem, so doch zumindest bundesrepublikanischem Ausmaß vergrößert. Wir fühlen uns verantwortlich.

Wir wünschen uns so sehr, dass wir selbst (und vielleicht auch andere) unseren Ansprüchen an ein nachhaltiges und möglichst erdfreundliches (sofern das in diesen Zeiten überhaupt möglich ist) genügen mögen, dass wir vergessen, dass wir auch nur Menschen sind. Menschen mit begrenzen Kapazitäten, die schon durch so banale Dinge wie eine berufliche Tätigkeit oder das eigene Kleinkind gesetzt werden.

Aber da schaut man nach links – und die da produziert nur ein Glas Müll pro Jahr! Und man schaut nach rechts – hey, Mascara kann ich ja auch selbst machen! Wieder eine Verpackung gespart! Und man sucht hier und dort und da und überall nach optimierungsbedürftigen Schaltstellen im Getriebe des eigenen häuslichen Alltags, nach Schrauben, die man fester ziehen kann. Um noch ein bisschen grüner zu leben. Um ein noch ein bisschen besseres Gewissen zu haben. Mir selbst, aber auch der Umwelt und allen anderen Menschen insgesamt gegenüber.

Nachhaltigkeit beginnt bei dir

Sei gut zu dir: Nachhaltigkeit beginnt bei dir selbst

Und wir merken gar nicht, dass wir dabei wieder in diese so großzügig im modernen Lebensdschungel ausgelegte Falle tappen, aus der wir uns doch gerade erst zu befreien gedacht hatten: Die Perfektionismusfalle klebt schon wieder an unseren Sohlen.

Ihre dicken, zähen Stränge lassen sich nur schwer lösen und duften zunächst auch so süßlich, dass wir sie gar nicht als störend wahrnehmen. Endlich das Leben umkrempeln! Endlich mit gutem Gewissen einkaufen! Endlich plastik-/müllfrei! Was für ein Fortschritt!

Doch irgendwann merken wir, dass wir – trotz aller olfaktorischen Süßlichkeit – nicht von der Stelle kommen und wie angeleimt auf einem Fleck verharren. Plötzlich kostet jede Bewegung so viel Kraft – woran liegt das nur?

Der Perfektionismus hat dich (wieder?) in seinen Fängen – und ist nicht gewillt, so schnell loszulassen. Andere schaffen das doch auch, flüstert dir dein dämonisches Vergleichungs-Gewissen zu, was ist also dein Problem?

Und hier braucht es ein richtig, richtig starkes Lösungsmittel, um die Klebesträhnen wieder von den Sohlen zu lösen: Gelassenheit. Und das Mantra: Ich bin gut so, wie ich bin. Ich muss niemandem etwas beweisen – auch mir selbst nicht.

Niemand zwingt dich, ein Leben zu führen, dass deine Möglichkeiten übersteigt. Niemand verlangt von dir, an die Grenzen deiner Belastbarkeit zu gehen, bis jeder Schritt eine einzige Qual ist. Würdest du das von einem dir lieben Menschen verlangen? Warum verlangst du das dann von dir? Liegt dir nichts an dir selbst? Bist du dir selbst so unwichtig (geworden)?

Es sind solche und ähnliche Fragen, die du dir stellen darfst, wenn du wieder kopflos durch die Wohnung rennst, auf der Suche nach einem nachhaltig zu optimierenden Element. Es sind diese Fragen, die du für dich beantworten solltest, wenn du ein schlechtes Gewissen wegen dieser doofen Plastikverpackung da hast, die doch eigentlich so gar nicht zu deiner öko-grünen Weste passt.

Es sind diese Fragen, die so wichtig sind, dass du sie dir gerne jeden Tag stellen darfst – denn bei aller Liebe zur Umwelt und bei aller Leidenschaft für eine bessere Zukunft: Wer kann diese Zukunft als eine an sich selbst gescheiterte Hülle, als Schatten von sich selbst, schaffen? Und: Wie kann ein verbissenes Gesicht andere Menschen zum Nachmachen motivieren, ansteckend wirken?

Sei gut zu dir selbst, du hast es dir verdient. Egal, wie viel oder wie wenig Müll du produzierst. Egal, ob du schon vegetarisch-vegan isst oder ob ab und zu ein bisschen Fleisch auf dem Teller landet. Egal, ob du schon zu Ökostrom gewechselt hast oder immer noch nicht so viel Bio kaufst. Baustellen gibt es viele, Möglichkeiten ebenfalls – es gut, besser, am allerbesten zu machen. Nachhaltigkeit ist kein Sprintwettbewerb – es zählt nicht, wer als Erster da ist. Sondern wer für sich selbst das Beste herausholt – und das heißt in diesem Fall: das nachhaltigste Leben nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst führt.

Nachhaltigkeit beginnt bei dir selbst. Findest du nicht auch?

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