Christine von LILIES DIARY über Nachhaltigkeit [INTERVIEW]

Christine Lilies Diary

Die Interview-Reihe erfreut sich immer größerer Beliebtheit und deshalb habe ich heute ein ganz besonderes Schmankerl für dich – Ein Interview mit der sympathischen Reisebloggerin Christine von Lilies Diary. Warum? Weil Christine sich seit mehreren Monaten intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit und Minimalismus beschäftigt und gleichzeitig vegan lebt.

Hallo Christine, ich freue mich richtig darauf, dir heute ein paar Fragen zu stellen und finde es super, dass du dir Zeit genommen hast. Viele Leser kennen dich als eine der erfolgreichsten deutschen Reisebloggerinnen. Was viele nicht wissen ist, dass du dich sehr für Nachhaltigkeit und Minimalismus interessierst. Wann hast du angefangen dir Gedanken über dein Verhalten zu machen, beziehungsweise wann hat bei dir ein Umdenken eingesetzt und warum? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Das Umdenken kam, als ich in eine winzig kleine Wohnung gezogen bin und gemerkt habe, wie wenig ich eigentlich zum Leben brauche. So kam die Idee, minimaoistischer zu leben und witzigerweise habe ich erst heute festgestellt, dass ich schon 2014 etwas zu Minimalismus aus Lilies Diary geschrieben habe.

Nachhaltigkeit war für mich immer schon ein sehr interessantes Thema. Um es einfach einmal auszuprobieren, habe ich einen Monat vegan gelebt und mich dann mehr damit beschäftigt, wodurch ich gemerkt habe, wie spannend das Thema ist und dann natürlich auch dadurch, dass gerade viele andere Blogger dieses Thema aufgreifen und das einfach unglaublich inspirierend ist.

Wie hat sich dein Konsumverhalten verändert? Auf was achtest du beim Kauf von Kleidung & Kosmetik?

Also ich kaufe fast gar keine Kleidung mehr und wenn dann kaufe ich mir nur Teile bei denen ich weiß, dass ich sie mindestens 10 Jahre lang anziehen werde. Außerdem versuche ich darauf zu achten, wo die Kleidung produziert wird. In Island habe ich mir zum Beispiel einen Wollpulli aus isländischer Wolle gekauft, der leider schweineteuer war – jedoch war er es mir wert, denn ich kann mir sicher sein, dass das Schaf ein schönes Leben hatte und auch beim Scheren gut behandelt wurde.

Kosmetik kaufe ich momentan nicht, denn ich habe so viel, was ich erst einmal aufbrauchen muss, davon kann ich bestimmt noch 13 Monate zehren... Zukünftig möchte ich außerdem noch versuchen mein Haarshampoo durch eine DIY-Lösung aus Natron o.ä. zu ersetzen.

Wie nachhaltig lebst du privat und was willst du in Zukunft noch besser machen?

Also ich weiß, dass es noch sehr viel gibt, was ich tun kann.

Beispielsweise habe ich immer sehr gerne Essen bestellt. Leider ist das ist einfach so eine krasse Verschwendung und durch den Lieferservice entsteht allgemein einfach so viel Müll. Generell ist bei Bestellungen immer alles in Plastik eingepackt, was einfach unnötig ist.

Leider habe ich es noch nicht geschafft in einem Unverpackt Laden einkaufen zu gehen, weil ich so viel unterwegs bin und es zeitlich einfach nicht auf die Reihe kriege.

Vegan auf Reisen: Wie schwierig ist das wirklich?

Es ist wirklich ein bisschen mehr Aufwand. Manchmal wenn ich unterwegs bin und nicht so flexibel planen kann, dann fällt es mir sehr schwer und dann gebe ich mich meist mit vegetarischen Optionen zufrieden, was mir dann aber ein schlechtes Gewissen macht. Auf der letzten Reise habe ich einem Bauernhof besucht und gesehen, wie es in den Melkställen abläuft. Seitdem bin ich wieder so ein „Hardcore Veganer“, weil ich es dort einfach schrecklich fand. Aber wenn man Zeit hat und sich vorher ein bisschen informiert, oder auch in einem Land wie Sri Lanka ist, wo es einfach an jeder Ecke etwas veganes zu essen gibt, dann ist das wirklich gar kein Problem. Es kommt immer auf das Reiseziel an und wie gut man sich vorbereitet. Weitere Tipps gibt es in meinem wundervollen Video: Vegan auf Reisen.

Wie kann ich nachhaltig reisen?

Das ist das nächste Thema mit dem ich mich beschäftigen möchte und ich weiß, dass es mir auch noch nicht so sehr möglich ist, weil ich nicht so flexibel bin und ich einfach nicht immer die Zeit habe nachhaltig zu reisen. Man macht sich halt ein gutes Gewissen, denn wenn man vegan lebt, dann spart man schon so viel an CO2 Emissionen ein, sodass das Reisen an sich nicht so schlimm scheint.

Nachhaltig reisen heißt zum Beispiel auch im Hotel darauf zu achten, dass nicht jeden Tag die Handtücher ausgetauscht werden, denn das braucht kein Mensch.

Was denkst du, was getan werden muss, um mehr Leute für das Thema Nachhaltigkeit zu begeistern?

Ich glaube man muss sich nicht begeistern, sondern sich einfach mal klar machen, wie wichtig es ist und mehr darüber lesen. Da die Leute sehr bequem sind, hoffe ich, dass alles, zum Beispiel im Supermarkt ein bisschen einfacher wird. So gäbe es keine andere Möglichkeit mehr, sondern Nachhaltigkeit wäre der einzige Weg. Aber das wird noch dauern...Ich glaube, dass mehr Menschen sich für das Thema interessieren würden, wenn man ihnen aufzeigt, dass sie mit ihrem Handeln Gutes bewirken können.

Welche Tipps hast du, um ganz einfach ein bisschen nachhaltiger zu leben?

Am besten nichts mehr einkaufen und wenn dann nur Second Hand oder Sachen, die man ein Leben lang hat, denn eigentlich haben wir alle wirklich mehr als wir brauchen. Ich kann auch noch ganz ganz viel lernen

Wie wird unsere Welt in 20 Jahren aussehen? Wird nachhaltig / vegan leben normal sein?

Ich hoffe dass es in 20 Jahren total normal sein wird nachhaltig zu leben – ich habe ja selber noch vor 2 Jahren gedacht, dass vegan sein vollkommen übertrieben ist, aber im Grunde ist es einfach nur einsichtig, konsequent und das Logischste was du machen kannst. In allen Supermärkten gibt es mittlerweile vegane Angebote und es gibt auf so vielen Speisekarten vegane Sachen, so dass immer mehr Leute davon hören. Auch wenn Ketten wie Backwerk etwas Veganes im Sortiment haben, dann ist das mega cool, auch wenn ich die Kette als solche vielleicht nicht mag, aber so sensibilisieren sie die Leute dafür und deshalb hoffe ich dass in 20 Jahren 50% der Weltbevölkerung sich vegan ernährt – das ist mein Traum :)